Janto Trappe
Fotograf Hannover

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Reisebericht: Die Ostseeküste zwischen Warnemünde und Nienhagen

26. Januar 2017
Gespensterwald an der Ostsee bei Nienhagen.
Kurz vor Weihnachten wollte ich nochmal ein paar Tage raus zum Fotografieren und habe mich spontan für die Ostseeküste bei Rostock entschieden. Die Gegend um Warnemünde hatte ich schon vor längerer Zeit als mögliches Ziel einer Fotoreise in Betracht gezogen und ein paar Bildideen entwickelt. Ausserdem war ich schon länger nicht mehr an der Ostsee.
 
Am 14.12. ging es früh morgens mit dem Ausfall meines Zugs los, was ich aber glücklicherweise erfahren habe bevor ich in Richtung Bahnhof aufgebrochen bin. Am späten Vormittag konnte ich dann meine Reise von Hannover über Rostock nach Warnemünde antreten. Im Gegensatz zu dem trüben Wetter in Hannover wurde ich am Bahnhof in Warnemünde mit strahlendem Sonnenschein begrüsst. Durch den Zugausfall kam ich allerdings erst gegen 14.00 Uhr am Hotel Ostseeland, westlich von Warnemünde, an. Mir blieben also nur zwei Stunden bis zum Sonnenuntergang um mir einen ersten Überblick zu verschaffen.
 
Das Hotel Ostseeland liegt direkt hinter der Steilküste zwischen Warnemünde und Nienhagen und grenzt an das Naturschutzgebiet Stoltera an. Das hatte ich mir extra so ausgesucht um möglichst zentral zu übernachten. Ich wollte wenig Zeit mit der Anreise und der Motivsuche verschwenden da die Tage ende Dezember besonders kurz sind.
 
Nachdem ich mein Appartement bezogen hatte ging es gleich raus an die Küste. Vom Hotel gelangt man zu Fuß nach ca. 10 Minuten zum ersten Küstenabgang. Von dort setzte ich meinen Weg weiter in Richtung Nienhagen fort und hatte, als die Sonne gegen 15.40 Uhr schon sehr tief stand, mein erstes Foto in der Tasche.
Kurz vor Sonnenuntergang färbt sich der Himmel leicht rötlich.
Kurz vor Sonnenuntergang färbt sich der Himmel leicht rötlich.
Eigentlich wollte ich nur ein paar hundert Meter an der Küste entlang gehen um die ersten Eindrücke zu sammeln aber irgendwie packte mich dann die Wanderlust und ich lief bis nach Nienhagen weiter. Es war schon dunkel als ich am Gespensterwald ankam.
 
Das Nienhäger Holz ist ein 180 Hektar großer Mischwald unmittelbar an der Steilküste von Nienhagen. Ein kleiner Abschnitt mit Buchen und einigen Eichen wird im Volksmund „Gespensterwald“ genannt. Vor allem die Buchen sind durch den Seewind verformt, haben häufig einen einseitigen Wuchs und ein schlangenhaft verdrehtes Geäst. Es führen mehrere kleine Wege und einige Pfade durch den Gespensterwald. Einer davon direkt an der abbruchgefährdeten Steilküste. Besonders in der Abenddämmerung und bei Nebel entsteht eine ganz besondere Stimmung.
 
Es war wie gesagt schon komplett dunkel. Ich hielt nach Motiven für den nächsten Tag Ausschau und versuchte mir mit der Taschenlampe einen Überblick zu verschaffen. Es war eine sternenklare Vollmondnacht. Um 17.13 Uhr ging der Mond auf, was ich zunächst gar nicht bemerkte weil der Horizont leicht mit Wolken verhangen war und ich in die entgegen gesetzte Richtung lief. Kurz darauf wurde er für mich aber sichtbar und wirkte, weil er noch sehr tief über dem Meer stand, riesig. Jetzt sollte ich schnell sein, dachte ich mir. Kamera und Stativ hatte ich gut verpackt im Rucksack. Das Tele lag im Hotel. Also schnell ein Motiv suchen. Ich probierte kurz mit dem 105 mm Makro herum aber entschied mich dann doch schnell genug für eine Weitwinkelaufnahme mit Sternenhimmel. Danach ging es zurück zum Hotel, wo ich nach einem einstündigen Fußmarsch zufrieden ankam.
Eine sternenklare Vollmondnacht im Gespensterwald.
Eine sternenklare Vollmondnacht im Gespensterwald.

Am nächsten Tag schlief ich erstmal aus und machte mich, nach einem ausgiebigen Frühstück, erst recht spät auf den Weg. Für die restliche Zeit hatte ich ein Leihfahrrad des Hotels gebucht und war so etwas mobiler und schneller unterwegs. Gegen spätem Mittag fuhr ich also los zum Gespensterwald um ihn mir nochmal bei Tageslicht anzusehen. Es war ein sehr trüber und düsterer Tag. Ich entschied mich dazu ein paar Aufnahmen in der blauen Stunde und im Idealfall bei leichtem Nebel zu versuchen. Die verbleibende Zeit vertrieb ich mir mit Langzeitbelichtungen an der steinigen Küste westlich von Nienhagen. Das diffuse Licht und der wolkenverhangene Himmel waren Ideal dazu.

Am Strand westlich von Nienhagen finden sich vermehrt größere Felsbrocken.
Am Strand westlich von Nienhagen finden sich vermehrt größere Felsbrocken.
Durch die Langzeitbelichtung scheinen einige Felsen in der Brandung zu schweben.
Durch die Langzeitbelichtung scheinen einige Felsen in der Brandung zu schweben.
Kurz vor Sonnenuntergang fuhr ich dann wieder zurück in den Gespensterwald. Die Lichtstimmung war wie erhofft und die gewünschten Aufnahmen hatte ich recht schnell in der Tasche. Während ich oben im Wald an der Steilküste stand, zogen die Angler am Strand unter mir einen Dorsch nach dem anderen aus dem Wasser. Ich genoss noch einige Zeit die gespenstische, von Meeresrauschen untermalte, Stimmung und fuhr dann zurück zum Hotel.
Der Gespensterwald liegt direkt an der Steilküste.
Der Gespensterwald liegt direkt an der Steilküste.

Nach einer kurzen Nacht wollte ich am nächsten Tag die Küste Richtung Warnemünde erkunden. Es sollte ein recht sonniger Tag werden und ich hoffte auf einen schönen Sonnenuntergang. Den ersten Stop legte ich beim Kap Geinitzort am Anfang der Stoltera ein. Die Stoltera umfasst einen etwa drei Kilometer langen Küstenabschnitt zwischen Warnemünde und dem Kap Geinitzort. Der Küstenstreifen hat eine Fläche von etwa 70 Hektar und ist durch ein steil abfallendes und bis zu 20 Meter hohes Kliff zur Ostsee gekennzeichnet. In weiten Teilen steht das Gebiet unter Naturschutz. Im Frühjahr lassen sich hier sicherlich schöne Fotos der Frühblüher aufnehmen und auch im Winter bietet der Wald tolle Motive. Ich entschied mich allerdings dazu unten an der Küste weiter Richtung Warnemünde zu wandern.

Kap Geinitzort am Naturschutzgebiet Stoltera, kurz vor Warnemünde.
Kap Geinitzort am Naturschutzgebiet Stoltera, kurz vor Warnemünde.
Die Küste bietet zahlreiche Fotomotive.
Die Küste bietet zahlreiche Fotomotive.

Die Küste wird hier immer sandiger. Die Felsbrocken werden weniger und es finden sich nur noch Ansammlungen von kleinen bunten Steinchen. Der hintere Bereich des Warnemünder Strands bietet dann eine kleine Dünenlandschaft, die ich kurz vor Sonnenuntergang erreichte. Nach ein paar Fotos bin ich weiter in Richtung des Leuchtfeuers der Westmole gelaufen um mich dem Sonnenuntergang zu widmen. 

Die Dünen am Strand von Warnemünde.
Die Dünen am Strand von Warnemünde.
In der blauen Stunde fällt der Blick vom Strand in Warnemünde auf das Leuchtfeuer der Westmole.
In der blauen Stunde fällt der Blick vom Strand in Warnemünde auf das Leuchtfeuer der Westmole.
In der Zwischenzeit war der Himmel nochmal stark aufgeklart und ich wurde mit einem farbenfrohen Sonnenuntergang belohnt. Neben mir genoss eine Medizinstudentin Ihren Feierabendkaffee und erzählte mir von Ihrem Sonnenuntergangs-Fotoprojekt. Nachdem sie mir den Weg zum nächsten Supermarkt gezeigt hat und ich meinen Einkauf für das Abendessen am nächsten Tag erledigt hatte, machte ich mich auf zum Fischrestaurant „Twee Linden“ am alten Strom. Eine Empfehlung von Jonas die sich als Geheimtip herausstellte. Mit viel Glück habe ich noch einen Platz bekommen und konnte, in einfacher aber entspannter Atmosphäre, den Tag mit einer leckeren Fischplatte abschliessen. Vom Nachbartisch kamen mitleidige Blicke weil man wohl davon ausging ich müsste mir, mit meinem riesigen Rucksack, noch eine Unterkunft suchen. Das konnte ich aber aufklären und man wünschte mir eine gute Heimfahrt zum Hotel.
 
Für mich gab es aber erst noch einen Kaffee „to go“ mit dem ich auf der Westmole noch knapp eineinhalb Stunden auf den Mondaufgang wartete. Allerdings hätte ich mir das sparen können. Am Horizont zog recht schnell die erste Wolkenfront auf. Kurz nach Mondaufgang, der nur ganz leicht durch die Wolken schimmerte, brach ich dann Richtung Hotel auf. Auf dem dunklen Radweg am Rande der Stoltera erschreckten mich zwei Rehe fast zu Tode als sie auf einmal meinen Weg kreuzten.
Bei leicht bewölktem Himmel wird die Westmole nach Sonnenuntergang in bunte Farben getaucht.
Bei leicht bewölktem Himmel wird die Westmole nach Sonnenuntergang in bunte Farben getaucht.

Am letzten Tag versteckte sich die Sonne dann wieder hinter eine dichten Wolkendecke. Ich brach erst spät mit dem Fahrrad Richtung Nienhagen auf um die Wellenbrecher und einen dicken Felsbrocken am dortigen Strand zu fotografieren. Der Tag ging schnell zu Ende und auf dem Rückweg zum Hotel stoppte ich nochmal kurz bei einem toten Baum, der wohl die Steilküste hinab gestürzt war.

Wellenbrecher am Strand von Nienhagen.
Wellenbrecher am Strand von Nienhagen.
Mächtig und doch beruhigend: Der Fels in der Brandung.
Mächtig und doch beruhigend: Der Fels in der Brandung.
Abschliessend kann ich die Gegend um Warnemünde sehr empfehlen. Besonders im Winter, wenn die Strände nahezu menschenleer sind, finden sich dort zahlreiche Motive für Naturfotografen. Naturbelassene Strände, die Steilküste und nicht zuletzt der Gespensterwald. Alles ist bequem und ohne großen Aufwand erreichbar und trotzdem ist man in der puren Natur unterwegs. Gerade die abwechslungsreichen Motive auf engstem Raum machen die Gegend besonders interessant für mich. Ich hatte in 4 Tagen perfekte Bedingungen mit wechselnden Lichtverhältnisse und habe eigentlich genau die Bilder bekommen, die ich vorher im Kopf hatte. Ich werde sicherlich mal wieder kommen.
 
Weitere Naturfotos aus Warnemünde und Nienhagen befinden sich in meiner Galerie.

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