Janto Trappe
Fotograf Hannover

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Tips & Tricks: Messefotografie

14. Dezember 2013
Tips & Tricks: Messefotografie

Wer zum ersten Mal für einen Kunden auf einer Messe oder Ausstellung fotografiert wird auf diverse Probleme und Schwierigkeiten stoßen. Ich möchte kurz ein paar Punkte ansprechen, die ich für wichtig halte und euch evtl. helfen das nächste Shooting besser zu planen. Dabei soll es weniger um die Technik und die Kameraeinstellungen gehen, sondern um die Vorbereitung und die Organisation des Shootings.

Es gibt drei klassische Kundengruppen für Messefotografie: Der Messebauer, die Agentur und der Aussteller selbst. Zur Eigenwerbung und als Referenz möchten Messebauer und Werbeagentur häufig Fotos von dem leeren Stand haben. Für den Aussteller sind eher authentische Impressionen mit Standbesuchern interessant.

Wie geht man also vor um das Shooting möglichst reibungslos zu gestalten und am Ende gute Bilder abliefern zu können?

Zunächst solltet ihr, wie bei jedem anderen Auftrag auch, die Wünsche und Vorstellung des Kunden besprechen. Was soll fotografiert werden? Welches sind die wichtigsten Motive? Wofür werden die Fotos verwendet und welche Aussage soll vermittelt werden? Je mehr Informationen ihr habt, desto besser könnt ihr auf die Kundenwünsche eingehen.

Klassisches Messefoto mit Besuchern im Stil einer Reportage.

Klassisches Messefoto mit Besuchern im Stil einer Reportage.

Zeitplan

Eine normale Messereportage, also authentische Fotos mit Besuchern, macht man am Besten in den ersten Tagen der Messe - wenn es noch nicht zu voll ist und die Mitarbeiter noch frisch und voll motiviert sind. Je nach Messe versuche ich möglichst nicht zu den Stoßzeiten zu fotografieren. Denn dann stehen einem ständig Besucher im Bild. Es sollte aber auch nicht zu leer sein. Ein gutes Mittelmaß ist am Besten. Es hängt also ein bisschen von der Messe bzw. von der Branche ab und ist auch ein bisschen Glücksache zu welcher Zeit man die Besten Fotos machen kann.

Wenn der Messestand leer sein soll gibt es eigentlich nur drei Möglichkeiten: Morgens vor Messebeginn, Abends nach Ende der Messe oder einen Tag vor Eröffnung der Messe. Keine dieser Optionen ist wirklich optimal und jede hat Vor- und Nachteile:

Einen Tag vor der Messe

In der Regel wird der Stand einen oder zwei Tage vor Beginn der Messe an den Kunden übergeben. Ab jetzt ist der Stand fertig und kann fotografiert werden - könnte man denken. Nun ist es aber so, dass in einer Messehalle noch bis zum Abend vor der Messe oder sogar bis spät in die Nacht gearbeitet wird. Auch wenn der Stand als solches fertig ist - die Teppiche in den Gängen werden meist als letztes gelegt. Auch die Reinigungskräfte kommen erst am Abend vor dem ersten Messetag und beseitigen die spuren des Aufbaus. Ausserdem ist es sehr unschön wenn hinter oder neben dem Stand, den ihr fotografieren müsst, noch Messebauer arbeiten. Es lässt sich dann manchmal nicht vermeiden, dass im Hintergrund eine Europalette, eine Leiter oder anderes Arbeitsgerät herumsteht. Dann könnt ihr natürlich keine guten Fotos machen und müsst warten bis ihr „freie Sicht“ habt. Fertige Stände werden ausserdem gerne mit Flatterband abgesperrt oder Exponate mit Tüchern abgedeckt. Ihr solltet vermeiden, dass so etwas im Hintergrund sichtbar ist.

Ein weiteres Problem sind Exponate, Accessoires und Infomaterial, die evtl. erst am ersten Messetag morgens von dem Aussteller mitgebracht und positioniert werden. Während ein großes Exponat in der Regel von dem Messebauer aufgebaut wird, werden kleinere Dinge auch gerne mal vom Aussteller mitgebracht. Genauso werden Broschüren und anderes Infomaterial häufig erst morgens von dem Aussteller ausgelegt. Ein leerer Prospektständer oder ein völlig „nackter” Tresen oder Counter sollte vermieden werden.

Nun könnte man denken, es ist einfacher früh morgens am ersten Messetag zu fotografieren.

Morgens am ersten Messetag

Am ersten Messetag ist der Stand soweit fertig, die Hallen sind sauber und auch der Aussteller ist in der Regel recht früh vor Ort. Insofern ist das eigentlich ein sehr guter Zeitpunkt zum Fotografieren. Ihr solltet aber bedenken, dass sich die Messehalle recht schnell füllen kann. Viele Aussteller sind am ersten Tag schon 1 bis 1,5 Stunden vor Eröffnung der Messe vor Ort. Ihr solltet also früh genug anfangen! Je nach dem wo sich die Halle und der Stand befinden, müsst ihr mit mehr oder weniger „Durchgangsverkehr“ rechnen. Für eine Handvoll Fotos von einem Stand mittlerer Größe sollte es In der Regel reichen, wenn ihr 1,5 bis 2 Stunden vor Öffnung der Halle anfangt. Wenn sich der Stand direkt am Eigang befindet und mit vielen Passanten zu rechnen ist, würde ich evtl. noch etwas früher anfangen.

Wenn ihr also nur einen Stand fotografiert, ist der erste Messetag eine gute Wahl. Wenn ihr aber mehrere Stände fotografieren müsst, könnte die Zeit knapp werden. Aus meiner Erfahrung ist es eine Stunde vor Messeöffnung schon so voll, dass einem ständig irgendwelche Leute ins Bild rennen. Die Zeit, die ihr von einem Messestand zum nächsten benötigt, solltet ihr ebenfalls einplanen. Ein Messegelände kann groß sein und die Wege zwischen den Hallen können lang werden. Insofern solltet ihr früh genug anfangen, den Job auf mehrere Tage aufteilen oder eben doch schon am Abend vor Messebeginn fotografieren.

Abends nach der Messe

Abends sehen die meisten Messestände schon etwas verbraucht, abgenutzt und dreckig aus. Teilweise wird auch nach Messeschluss noch auf dem Ständen gefeiert oder das ein oder andere Bier getrunken. Volle Aschenbecher, leere Flaschen und Chipskrümel auf dem Boden machen sich nicht so gut auf eurem Fotos. In der Regel beginnen die Reinigungskräfte ca. 1 Stunde nach Messeschluss mit Ihrer Arbeit. Je nach Veranstalter und Messe kann dies aber stark variieren. Auch dauert es evtl. einige Zeit bis sie bei „eurem“ Stand angekommen sind. Ihr solltet also nicht zu früh vor Ort sein um unnötige Wartezeit zu vermeiden. Es schadet auch nichts bei der Messe anzufragen, wann mit der Reinigung begonnen wird. Ihr könnt die Damen und Herren dann evtl. fragen ob Sie die Reinigung von „eurem“ Messestand vorziehen können.

Foto von einem Messestand mit Ezybalance Falt-Graukarte im Vordergrund.

Graukarte für Weißabgleich

In Messehallen verwende ich immer eine Graukarte um den Weißabgleich später bequem am Rechner, z.B. in Lightroom, machen zu können. Durch die vielen unterschiedlichen Lampen und Strahler mit verschiedenen Farbtemperaturen macht es evtl. Sinn die Graukarte an verschiedenen Stellen des Messestands zu fotografieren. Ich mache in der Regel sofort zu Beginn ein paar Fotos mit Graukarte, bevor ich mit den richtigen Aufnahmen beginne. Denn am Ende vergisst man es meistens. ;-)

Ich verwende die Ezybalance Falt-Graukarte von Lastolite.

Beleuchtung und Monitore

Wenn ihr vor Messeanfang oder nach Messeschluss fotografiert, sind Beleuchtung und eventuelle Monitore und andere Geräte wahrscheinlich nicht eingeschaltet. So könnt ihr natürlich keine Fotos machen! Sorgt also dafür, dass der Aussteller oder ein Mitarbeiter der Messebauer mit einem Schlüssel vor Ort ist, damit er die Beleuchtung und Monitore einschalten kann.

Beachtet dabei, dass ein Messebauer sicherlich weiß, wie er die Beleuchtung einschaltet, aber evtl. nicht genau über die Monitore etc. Bescheid weiß. Ich habe schon erlebt, dass der Kunde die Fernbedienung für den Präsentations-Fernseher Abends mit ins Hotel genommen hat und wir somit den Fernseher nicht einschalten konnten (Bedienknöpfe am Gerät waren hinter einer Blende verbaut). Auch wenn iMacs oder ähnliches auf dem Messestand sind, die auf dem Foto eingeschaltet sein sollen, macht es Sinn dies vorher mit dem Aussteller abzuklären.

Messestand mit Besuchern - Kundenlogo im Vorder- und Hintergrund.

Exponate

Was für die Monitore und die Beleuchtung gilt, trifft auch auf eventuelle Exponate des Aussteller zu: Sorgt dafür, dass alles „schön“ und ordentlich aussieht. Manche Aussteller nehmen die Exponate Abends mit ins Hotel oder schliessen sie ein. Sprecht also auch dieses Thema vorher mit dem Auftraggeber durch damit es vor Ort zu keinen bösen Überraschungen kommt. Von einem Messestand, auf dem die Exponate fehlen, möchte niemand Fotos haben.

Hallenplan

Besorgt euch einen Hallenplan von dem Messegelände! Insbesondere wenn ihr in mehrere Hallen müsst. Ich kenne das Messegelände in Hannover schon seit vielen Jahren und bin dort regelmässig als Fotograf unterwegs. Trotzdem verlaufe ich mich immer wieder. Für manche Messen gibt es auch eine Smartphone App mit GPS-Navigationshilfe.

Standfoto ohne Personal und Besucher.

Eintrittskarte

Mit einem offiziellen Fotoauftrag solltet ihr keine Probleme haben auf das Messegelände zu gelangen - auch ohne Eintrittskarte. Ich lasse mir aber immer die Mobilnummer von einem Mitarbeiter vor Ort geben. Zur Not könnt ihr euch dann am Eingang abholen lassen, falls ihr so nicht reingelassen werdet.

Beachtet auch, dass ihr ausserhalb der normalen Messezeiten oder vor Beginn der Messe evtl. nur über einen Ausstellereingang oder die Lieferantenzufahrt auf des Gelände kommt. Am Besten vorher beim Messegelände oder Veranstalter nachfragen, wenn ihr euch nicht sicher seid, wie oder wo ihr am schnellsten auf des Gelände gelangt.

Fotoerlaubnis

In der Regel benötigt ihr eine Fotoerlaubnis um auf einem Messegelände fotografieren zu dürfen (in Deutschland eigentlich immer). Für Standfotos reicht normalerweise ein Auftrag vom Aussteller. Manche Messen verlangen aber auch zusätzlich eine allgemeine Fotoerlaubnis für das Messegelände.

Am einfachsten ist es, wenn ihr direkt für den Aussteller fotografiert und im Zweifel einen schriftlichen Auftrag oder eine E-Mail vorzeigen könnt. Insbesondere wenn man morgens vor der Messe oder abends nach Messeschluss fotografiert ist es gut etwas schriftliches dabei zu haben. Denn manchmal fragen die Sicherheitskräfte am Einlass oder in den Hallen danach.

Wenn man für den Messebauer oder die Agentur unterwegs ist, sollte man sicherstellen, dass auch der Aussteller darüber informiert und einverstanden ist. Ich wurde schon von Messebaufirmen beauftragt und habe dann vor Ort festgestellt, dass der Aussteller überhaupt nichts davon wusste. Klärt dies also am Besten vorher mit dem Auftraggeber und dem Aussteller ab.

Ich halte es meistens so, dass ich den Auftraggeber frage ob der Aussteller und das Personal am Messestand informiert sind. Falls nicht, bitte ich darum diese noch mal explizit über den Auftrag in Kenntnis zu setzen. Ich habe dann immer die Auftragsbestätigung oder eine entsprechende E-Mail auf dem iPhone oder iPad dabei um sie bei Bedarf vorzeigen zu können.

Langzeitbelichtung im Foyer der Messe Nürnberg.

Equipment

Zum Schluss noch ein paar Punkte zu dem Equipment:

Für Messereportagen verwende ich eigentlich immer das 24-70 2.8 und das 70-200 2.8 VR II von Nikon am Vollformat Body. Auf einem normalen Messestand reicht meistens das 24-70, man ist damit sehr flexibel. Für Pressekonferenzen und Vorträge verwende ich aber auch gerne das 70-200, weil man damit etwas mehr Abstand halten und unauffällig aus dem Hintergrund arbeiten kann. Es ist hilfreich wenn man zwei Bodys hat, aber für Messen ist das oft nicht wirklich notwendig.

Für Standfotos nehme ich meistens ebenfalls das 24-70 2.8 von Nikon am Vollformatsensor. Es ist aber auch gut noch ein Ultraweitwinkel dabei zu haben (z.B. eine 14 oder 16 mm Festbrennweite oder das 14-24 2.8 von Nikon). Die Fotos kann man dann z.B. ganz einfach in Lightroom entzerren.

Ausserdem habe ich ein Stativ, den Kabelfernauslöser MC-36 von Nikon, eine Wasserwaage mit Doppel-Libelle für den Blitzschuh und - ganz wichtig - eine Ezybalance Falt-Graukarte von Lastolite dabei.

Als Stativ verwende ich meistens das Gitzo GT5542LS und ein Novoflex oder Cullmann MB6.3 Kugelkopf. Das Stativ ist für diesen Zweck eigentlich etwas überdimensioniert aber es ist extrem stabil und nimmt Schwingungen sehr gut auf. Wenn man Langzeitbelichtungen auf einem Messestand machen möchte, sollte man auf jeden Fall ein stabiles Stativ verwenden. Denn manchmal hat der Messestand einen Unterbau, der stark schwingen kann wenn Leute darüber laufen. Auch wenn „eurer“ Stand keinen Unterbau sondern z.B. nur einen Teppich hat: Es kann vorkommen, dass ihr euch auf einem Nachbarstand platzieren müsst um genug Abstand zum Motiv zu haben. Holz- und Carbonstative nehmen die Schwingungen am Besten auf.

Fazit

Das Fazit lautet: Planung ist (fast) alles! Messefotos sind keine riesige Herausforderung aber es gibt ein paar Hürden und Fallstricke. Eine gute Vorbereitung und die Beachtung obiger Punkte spart Zeit, sorgt für weniger Stress und verhilft euch somit zu besseren Ergebnissen.

Schreibt mir doch in die Kommentare ob euch die Tips geholfen haben, wie ihr vorgeht oder auf welche Probleme ihr schon gestossen seid.

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Mein Arbeitsgebiet als Fotograf in Hannover: Döhren, Südstadt, Laatzen, Sarstedt, Langenhagen und bundesweit in ganz Deutschland.

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